Lady Ann meets England











{April 8, 2008}   Widerwille und Motivation

 

Da bin ich also wieder.

Wirklich gut geht es mir dabei schon nicht, das muss ich zugeben.Ausserdem habe ich ein sehr flaues Gefühl im Magen und fühle mich etwas krank. Aber ich denke, das ist rein psychischer Natur.

Auf dem Weg vom Flughafen hatten wir sehr viel Verkehr und wir brauchten gut 1 1/2 Stunden für die Strecke, die sonst in 50 Minuten zu bewältigen ist.

Jetzt bin ich daran, auszupacken und warte auf Alexis.Chloe ist schon wieder da und wir haben schon etwas geredet. Es sind auch alle total lieb und eigentlich läuft alles, wie es soll.

Nur, dass ich einfach nicht hier sein will.

Es tut mir leid, falls ich jetzt jemanden enttäusche, weil ich weiss, dass ich im Selbstmitleid versinke. Es ist halt nicht einfach oder sogar nicht möglich, Heimweh einfach so abzuschalten. Ich bin aber auf der anderen Seite auch motiviert, das „Projekt Austauschjahr“ nochmals anzugehen. Vielleicht schaffe ich es ja wirklich, glücklich(er) zu werden. Vielleicht kann ich über meinen Schatten springen. Vielleicht kann ich die Tränen, die mir schon wieder hochkommen, einfach runterschlucken.

Vielleicht…

Ich glaube, heute werde ich genügend früh ins Bett gehen… Und morgen sieht die Welt schon wieder etwas anders aus, wie man so schön sagt. Ich glaube daran, dass ich es zumindest noch eine Zeit hier aushalten werde. Ich wusste ja, dass es hart wird, von zu Hause wieder hierher zu kommen.

Aber zuerst habe ich jetzt nur drei Tage Schule und dann schon mein erstes Wochenende vor mir! Chloe wird zwar nicht hier sein, aber ich werde mich etwas erholen.

Und Mrs. Shand fragen, was mir denn jetzt eigentlich alles erlaubt ist, am Wochenende zu unternehmen. Ich habe die ganzen 2-3 Monate ja am Wochenende nie wirklich was unternommen. Eigene Faulheit und blöde Umstände waren wohl die Hauptursachen. Irgendetwas muss sich da schon noch ändern.

Ich will auf jeden Fall mit Alexis mal was machen. Vielleicht ja auch mit Ani, wenn das mal klappen sollte. Nach London ist sie ja doch nicht gekommen. Wir werden sehen.

Die Ferien waren übrigens toll: London ist eine grossartige, aber sehr hektische Stadt. Und in der Schweiz gab es fast keinen Tag, an dem ich nicht irgendjemanden besucht habe. Ich scheine ja doch ein paar Freunde zu haben… Das wären auch die Leute, die mich unterstützen, ob ich das hier jetzt durchstehe oder früher nach Hause gehe.

Wir werden sehen…

Ich danke euch allen, die immer für mich da sind – mit Rat und Tat oder einfach nur mit purer Ratlosigkeit. :)

I love you all!

Ann

 



This post is going to be in English because I just can’t be bothered to change into another language at the moment :) Sorry for the spelling mistakes – nobody’s perfect! =)

And I don’t know, but maybe I hope that not as many people will understand what I’m writing. I feel more secure, although I know that most of the people who are reading this blog understand English.
Yeah, my darling doesn’t, but I will surely talk to him anyway.

The thing is that I decided to stop lying. Or at least start to say what I really think.
I sometimes didn’t write into my blog when I was feeling bad. And that was quite often I have to admit.
Why did I not write into the blog?

Because the first time I wrote really pessimistic some rumours spread. They were talking about me not feeling well and I had the impression that those rumours were not really favourable.
But on the other hand, who has the right to tell me how I have to feel?
Who says that the exchange year always has to be brilliant? Can you really honestly laugh at someone who feels bad and still think that you are doing a good thing?
Because I feel really pressured to tell everyone that I like it in England and that I’m very good.

But fact is that I like some things here. But not everything.
And at the moment there are more things i dislike. At the moment, some good things are dragging me through (can you say it this way, i don’t know :) )

I just don’t feel accepted in my class. They don’t seem to care a shit about me. They don’t wait for me, they don’t really talk to me, they’re not interested in me. (except in some really intimate things – great, isn’t it?)
But still I don’t know if it is worth fighting for. Because if it is, if I can improve the situation, I’ll do all I can.
But if it doesn’t get better after the holidays – I seriously have to think about coming home- back to switzerland.

The only thing I’m really scared of are the reaction of people.
I don’t even know how it will be when I put that post on the internet.

But a good friend said to me, it’s better to come home than to suffer the whole time.
And if I’ll only suffer, it just makes no sense, does it?

But I’m still scared of going home. I don’t know how the reactions are going to be. And I don’t know who will laugh at me. And maybe I’ll regret coming back later.
And I no absolutely NOBODY who came back from an exchange year because of his or her own decision. The only people that went home were being sent back home because they had done something wrong.

So I just don’t know what to do.
It even could be possible that my situation is not as bad as I think it is.
I have a bit of a paranoia and think that people hate me even if they don’t. My imagination has always been brilliant.

I want to stop now.
Sorry if this post is very confusing, I just needed to write something down.

I love you all
Ann

I wrote this post yesterday evening.
But now things have changed a bit.
Although Chloe and Jennifer won’t spend time with me this weekend because they want to be together. Just to remind you, Jennifer is Alexis’ sister and normally goes home on the weekends. But not this time. Meg is out this weekend – another exception.
So Chloe and Jennifer wanted to go shopping without me today, but it’s ok with me, because I don’t feel very well anyway (sore throat) and I need some rest.
I had a very long discussion with my mother on the phone. This gave me a bit new courage.
I haven’t surrendered. Not yet.
I have to get myself out of the misery that is only my fault. I felt too sorry for me.
Things don’t always are the way I want. It also reassured my that I could go home if I wanted.
But as long as I see the shining ray in the dark sky, I will not stop to fight.
My mother also told me that I have to take some time for me, and find my center once again.
That’s exactly what I’m doing this weekend: Be alone, play computer games, practise some piano and recorder, read, sleep a lot.

You see, my feelings change every single day.
But I hope that the change from yesterday to today will be a permanent one, one that lasts for a while.
The thing that brings me down the most is me – I will try hard that I can stay in England.
But if it doesn’t work, I can still go home. So I have two possibilities.
What more can I want?

Ann



Ich kann es einfach nicht glauben! Es ist so typisch ich. Ihr werdets mir kaum glauben, aber ich habe es tatsächlich geschafft, mir, nach langsamem Einleben, schon einen fatalen Fehler zu leisten! Ich war noch nie ein beliebtes Mädchen, bin es jetzt nicht und werde es auch nie sein. Das weiss ich und ich gebe mir einfach Mühe, so gut wie möglich akzeptiert zu werden und „dabei“ zu sein.

Ich merke zwischendurch wieder, dass ich halt nicht der Mittelpunkt in unserer Klasse bin und ich gehe oft hinter den anderen anstatt neben ihnen und niemand spricht mit mir, wenn ich nicht das Gespräch beginne. Ich nehme das nicht sooo als Problem war, da ich denke, es wird vielleicht besser. Und solange mich niemand mobbt, ist alles für mich OK.

Alexis, meine Zimmerkollegin, ist der totale Gegensatz zu mir. Sie ist ein Partygirl, sie ist sofort extrem beliebt, überall dabei, ein bisschen ein Bad Girl, war öfters betrunken und hat mit Jungen geschlafen und sie raucht.
Und gerade der letzte Punkt hat mir jetzt ein Problem beschert an dem nur ich Schuld bin und ich nicht weiss, wie das ganze rauskommen wird.

Fakt ist, dass Alexis öfters mal mit Lindsey und ein paar anderen (von denen ich nicht weiss, wer sie sind, da das ganze Thema Rauchen eher geheim ist) rauchen gegangen – ausserhalb des Schulareals.
Vorgestern wurden sie von einem Lehrer erwischt, aber er hat sie nur ermahnt und keine weiteren Strafen unternommen. Trotzdem ist Alexis ziemlich nervös, da sie Angst hat, der Lehrer könnte ihren Eltern etwas erzählen.
So wie es rüberkommt, hat sie nämlich ziemlich schwierige Familienverhältnisse (Mutter schlägt sie und Alexis hasst ihre Mutter und der Vater trinkt anscheinend ziemlich viel und interessiert sich nicht so für seine Tochter). Wahrscheinlich wird Alexis mit 16 von zuhause ausziehen.

Naja, auf jeden Fall dachte ich, dass bisher jeder weiss, dass Alexis raucht und heute in der Physikstunde ist es mir rausgerutscht. Ich dachte, ich rede nur zu einem Jungen, der es eh schon weiss. Aber nein, ich bin so dumm und merke nicht, dass noch andere zuhören! Der Lehrer natürlich nicht inbegriffen, versteht sich.
Auf jeden Fall haben mich nachher Mädchen aus meiner Klasse angesprochen, warum ich das gemacht habe. Alle hätten es gehört und das sei nicht gut. Alexis wolle nicht, dass es alle wissen. Ich fragte die Mädchen, ob Alexis wisse, was ich gesagt habe und ob sie wütend auf mich sei. Beide Fragen wurden bejaht.
Für mich war es mittlerweile einfach klar gewesen, dass Alexis raucht und ich dachte, dass die meisten es wüssten. Ich ging ja nicht gross rum und habe es erzählt. Mir ist einfach eine kleine Bemerkung rausgerutscht und jetzt stehe ich als „Täderlichatz“ da, der man nicht vertrauen kann. Jetzt kann ich den Anschluss ja wohl vergessen, nicht!?!!

Ich habe mich ziemlich aufgewühlt bei Alexis entschuldigt und halb geweint. Ich bin soooo wütend auf mich selbst. Der heutige Tag war vom sozialen Aspekt her gut verlaufen, und was mache ich? How stupid can one person be???

Alexis hat mir vergeben und ich glaube, sie ist nicht mehr wütend auf mich. Aber im Moment ist sie bei anderen im Zimmer und ich habe das Gefühl, morgen wird schon die ganze Schule wissen, was ich gemacht habe.
Na, gute Nacht! Das Vertrauen ist weg, bevor es sich entwickeln konnte. Und in Hausaufgaben ertrinke ich auch.
Ich werde ja sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Das einzige, was ich hoffen kann, ist, dass es die Leute schnell vergessen und mich niemand deswegen ausschliesst. Schliesslich kann so was mal passieren, oder doch nicht?!

Und irgendwie stockt meine Musik auf dem Computer immer beim Abspielen. God knows why.
Mann… alles läuft schief, nachdem ich gedacht habe, alles laufe gut.
…..
Scheisse
…..



Ich wusste, dass die erste Krise kommen würde. Aber gleich am zweiten Tag? Alles fing damit an, dass mir die Leiterin des „Hauses“ in welchem ich wohne, gesagt hat, ich könne ein Kabel für den Internetanschluss im „I.T. Department“ in der Schule bekommen und sie würde mich heute dem „Head of year“ vorstellen und dafür sorgen, dass ich dieses Kabel bekommen würde.
Es war dann aber so, dass sie einfach beim Frühstück (nachdem ich sie angesprochen hatte!) ein chinesisches Mädchen dazu bestimmte, mich zum „Head of year“ zu bringen. Ich muss zugeben, ich kenne mich in der Schule echt noch nicht aus, erst in meinem „Haus“ weiss ich langsam, wo sich was befindet. Anscheinend hatte der „Head of year“ – Mr. Boag-Munroe – aber so ziemlich keine Zeit für uns und wusste weder, welche Fächer ich gewählt hatte, noch, wohin ich zu gehen hatte. Wir fanden dann doch irgendwie raus, in welche Klasse ich gehörte, und meine chinesische Begleiterin lieferte mich bei den sehr netten, aber etwas tussiehaften Mädchen meiner Klasse ab.
Ich bekam von der netten Geographielehrerin auch einen Stundenplan, nur kann man darauf nicht alles erkennen, aber irgendwie werde ich das schon schaffen.

Der Tag allgemein war ganz OK, die Schuluniform stört mich überhaupt nicht und ich werde sehr wahrscheinlich noch ein Photo online stellen, sobald ich Internet habe.

Und da wären wir schon wieder bei meinem „Sorgenthema“. Als ich nämlich nach der Schule Mrs. Shand – die Leiterin meines „Hauses“ – fragte, was nun mit dem Internetkabel sei, schaute sie mich nur verwirrt an und fragte, ob mich Mr. Boag-Munroe denn nicht zum „I.T. Department“ geschickt oder begleitet habe. Nein, hat er natürlich nicht. Dabei möchte ich unbedingt Internet haben und meinem Schatz, meinen Eltern und Kollegen schreiben.
Morgen werde ich mir dieses Kabel holen, koste es, was es wolle! Ausserdem muss ich noch einige organisatorische Dinge erledigen, von denen ich keine Ahnung habe und bei denen mir anscheinend Mrs. Shand nicht so ganz helfen kann. Whatever…

Ich habe ein sehr nettes Mädchen, das ein Jahr über mir ist, kennen gelernt. Sie heisst Annie und wohnt im selben „Haus“ wie ich. (Es gibt nur ein Haus für Mädchen!! Und es hat sooo viele Chinesen!) Sie würde mir echt ALLES zeigen und ich würde sie nicht nerven. Aber heute ist ihre Zimmergenossin gekommen und ich glaube, ich gehe ihr etwas auf die Nerven. Kann ich schon verstehen, ich komme mir selbst wie ein rumheulendes Taugenichts-Unwissend-Kind vor, aber ich kann nun mal nichts daran ändern, dass ich mir Sorgen mache.

Ich werde auch noch einen „Room-Mate“ bekommen, aber irgendwie wird diese erst ab nächster Woche hier einziehen. Gut, es spricht nichts gegen ein Einzelzimmer, aber ich hoffe wirklich, dass wir uns gut verstehen. Es kann sonst hier schon etwas langweilig werden, wenn ich nicht an Annie und ihrer Mitbewohnerin „kleben“ möchte. Aber jetzt werde ich dann gleich raufgehen und ein paar Kekse mit ihnen essen, ob sie wollen, oder nicht! :)
Ich umarme euch alle ganz fest!
Ann (Nice abbreviation, isn’t it? ;) )



et cetera